Gindler & Jacoby

Elsa Gindler (*1885 † 1961) und Heinrich Jacoby (*1889 † 1964) waren Pioniere einer neuen Pädagogik, deren Arbeit noch heute, allerdings meist unbewusst, in verschiedenen Schulen der Körperarbeit nachwirkt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ihre Arbeit könnte man mit dem modernen Begriff “Achtsamkeitstraining” zusammenfassen.  Mittels subtilster Übungen wurde die Wahrnehmungsfähigkeit für das individuelle Bewegungsverhalten und das Verhalten überhaupt entwickelt.

Der folgende Text, entnommen aus dem Kursprospekt 2016 der Heinrich Jacoby – Elsa Gindler Stiftung, fasst die wesentlichen Aspekte der Arbeit zusammen (für die Schweiz http://www.jacobygindler.ch)

JacobyElsa Gindler (1885-1961), Mitbegründerin des Deutschen Gymnastik – Bundes, Forscherin und Pädagogin, und Heinrich Jacoby (1889-1964), zu nächst als Kapellmeister und Musik lehrend tätig, verband ab 1924 eine lebenslange Zusammenarbeit.

 

Sie deckten auf, welche Leistungen möglichwerden, wenn Menschen sich beim Erfahren und beim Sich äußern ihrer biologischen Ausstattung entsprechend verhalten. Sie erkannten, dass nur selbständige Auseinandersetzung zu produktiver Leistung führen kann (was heute durch die Hirnforschung bestätigt wird). 

 

Das tiefe Vertrauen des Neugeborenen ist der Ausdruck von In-Beziehung-Sein. Dieses Sein ist eigentlich ein nie zu Ende kommendes Werden, Wachsen. In-Beziehung- Kommen weckt Lebensmöglichkeiten. Es ist von großer Bedeutung, dass dem Kind in seiner Entwicklung die Stille gelassen und es nicht gestört wird, damit es selbständig Lösungen für seine Lebensprobleme entdecken und sich erarbeiten kann. Das gilt für alle Lebensetappen. Die den Menschen gegebenen Möglichkeiten entfalten sich durch zweckmäßigen, dem Organismus entsprechenden Gebrauch. Durch Störungen, die alle Menschen in ihrer Geschichte erfahren, werden Möglichkeiten nicht geweckt sondern gehemmt oder verkümmern wieder. Den Erwachsenen bleibt jedoch lebenslang die Möglichkeit zur Nachentfaltung bewahrt.

 

Elsa Gindler und Heinrich Jacoby erkannten, dass jenseits der einer statischen Weltsicht entstammenden Kriterien von begabt oder unbegabt sein, zweckmäßige Aufgabenstellung und zweckmäßiges Verhalten der Schlüssel für die Entfaltung des Menschen ist. Sie haben sehr vielen Menschen eine Arbeit an sich selbst, zur Nachentfaltung ihrer Möglichkeiten eröffnet. In den 1920er Jahren in Berlin waren ihre Kurse anregende Treffen für Personen mit unterschiedlichen Berufen und sozialen Engagements: Psychologen, Hausfrauen, Pädagogen, Büroangestellte, Theaterleute, Mu

siker, Gewerkschafter…. Es gibt zahlreiche Zeugnisse davon, wie wesentlich für deren Dasein und Arbeiten die Auseinandersetzungen waren, die dort stattfanden und wie sich diese ausgewirkt haben.

 

Die Erkenntnisse von Elsa Gindler und Heinrich Jacoby können nur in eigener Auseinandersetzung mit den sich stellenden Lebensfragen erarbeitet werden und sich im Dasein und Tätig sein auswirken. In der Kursdokumentation, die unter dem Titel „Jenseits von ‚Begabt’ und ‚Unbegabt…“ (Hamburg 1980, 7/2011) von Sophie Ludwig herausgegeben wurde, sind grundlegende Erkenntnisse von Elsa Gindler und Heinrich Jacoby dargelegt.

Der folgende Artikel ist einer der wenigen Original Veröffentlichungen von E. Gindler selbst.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die folgende Datei gibt eine Aufzeichnung wieder, die 1990 bei Radio DRS2 anlässlich des 25. Todestages von Heinrich Jacoby gesendet wurde. Der Beitrag ist interessant, weil mittlerweile verstorbene Zeitzeugen und Schülerinnen – so Sophie Ludwig, zu Worte kommen.

Jacoby (4)
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Im Christians Verlag sind auch die folgenden Bücher über die Arbeit von H. Jacoby und E. Gindler erschienen und können dort bestellt werden:

 

 

Frau E. von Arps-Aubert, Gründerin des Institutes für Bewegungs-forschung/Ligerz, hat ihre sehr lesenswerte Dissertationsarbeit über “Das Arbeitskonzept von Elsa Gindler” geschrieben, welche in Buchform beim Verlag Dr. Kovac herausgegeben wurde.

Weiterführende Informationen zur Arbeit von Frau von Arps-Aubert können auf ihrer Website entnommen werden.

Institut für Bewegungsforschung – Home

 

 

Ergänzend dazu erschien in den Jahren 2010 – 2012 eine lesenswerte Artikelserie, welche ebenfalls von Frau von Arps-Aubert verfasst wurde, in der Zeitschrift “Gymness” .

 

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Ergonic von

griech. ERGON = Arbeit und griech. MOTORIC = Bewegung

ERGONIC = Arbeits/Alltagsbewegungen

(gegründet 1995)