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Geschichte der Kinematographie

Die Entwicklung dieses faszinierenden Gebietes wurde entscheidend geprägt durch das Lebenswerk zweier Männer, die beide im selben Jahr geboren und gestorben sind.

Der eine – E. J. Marey – war ein französischer Arzt und der andere – E. Muybridge – ein amerikanischer Photograph. Beide entwickelten aus unterschiedlichen Motiven immer augeklügeltere Vorrichtungen, mit denen sich Bewegungen dokumentieren liessen.


Eadweard Muybridge (1830 - 1904)



war ein Photograph, der mit der Klärung einer Frage beauftragt wurde, von der man sagt, dass es sich dabei um eine Wette handelte. Gegenstand dieser Wette sei die Behauptung gewesen, dass ein Pferd während des Trabes oder des Gallops in einem bestimmten Moment alle Beine in der Luft hätte.

Muybridge allerdings meinte, dass sein Auftraggeber, der Gouverneur Leland Stanford, durch die Lektüre von Mareys Buch “La machine animale” zu diesen Aufnahmen angeregt wurde. Diese These wäre wahrscheinlicher, da Stanford ein begeisterter Pferdezüchter war und sich von Bewegungsaufnahmen seiner Pferde viel für das Training mit diesen erhoffte.







Muybridge entwickelte dazu eine Vorrichtung, bei welcher erst 12, später 24 Kameras in Serie in einem bestimmten Abstand aufgestellt wurden. Mit diesen Kameras wurden vor einem speziellen Hintergrund Serienaufnahmen aller möglichen Bewegungsabläufe hergestellt. Die Kameras wurden automatisch ausgelöst und die Aufnahmeintervalle lagen im Bereiche von bis zu 0.1 Sekunden bei Verschlusszeiten bis zu 1/2000 Sekunde.


Auf diese Weise konnte beweisen werden, dass das Pferd beim Galopp zu einem bestimmten Zeitpunkt alle Extremitäten in der Luft hält (Bild 2). 1878 wurden in “The Horse in Motion” die Serienaufnahmen von sechs Sequenzen – trabend, gehend, in leichtem Gallop und rennend – veröffentlicht.




Muybridge untersuchte in der Folge Bewegungen von Menschen und Tieren. Die Aufnahmen vermitteln heute noch einen interessanten Einblick sowohl für zeitgenössische Bewegungsweisen, aber auch für allgemeines menschliches und tierisches Bewegungsverhalten.




Werden diese Bilder animiert, enstehen dadurch Filme, wie wir sie heute kennen.




Das Gesamtwerk von E. Muybridge wurde in drei Bänden als “Muybridge’s Complete Human and Animal Locomotion” bei Dower Publications, New York herausgegeben.












Etienne Jules Marey (1830 - 1904)


wurde in Frankreich geboren und studierte Medizin. 1868 schreibt er ein Buch mit dem Titel “Du movement dans les functions de la vie” und 1873 veröffentlicht er ein weiterers Buch mit dem Titel “La Machine animale”

E. J. Marey war das französische Pendant zu E. Muybridge. Als Wissenschaftler war er, wie wir oben gesehen haben, am genauen Studium der Bewegung interessiert. Marey und Muybridge kannten einander. 1878 las Marey in “La Natur” eine Veröffentlichung von Muybridge. Umgekehrt hatte Muybridge Kenntnis von Marey’s Buch “Le Movement”. Es entwickelte sich eine temporäre Zusammenarbeit mit gegenseitiger Inspiration.

Im Gegensatz zu Muybridge aber, war Marey an Aufnahmen interessiert, die er auch von beweglichen Objekten machen konnte, die nicht an eine fixe Bewegungsbahn gebunden waren, z.B. von fliegenden Vögeln. Um dieses Ziel zu erreichen, verbesserte Marey laufend und unermüdlich seine Aufnahmetechniken. Man muss sich vor Augen halten, was das damals bedeutete: Alles was für uns heute selbstverständlich ist – Kameratechnik, Bildmaterial etc. war damals inexistent und wurde von Marey erfunden,konstruiert oder weiterentwickelt.

Eine erste Neuerung, welche er 1881 konstruierte, war das sogenannte “Photographisches Gewehr – un fusil photographique“.


Mit diesem konnte er der Flugbahn der Vögel folgen und Bilder in Serie “schiessen”. Er schrieb 1882: “J’ai un fusil photographique … qui prend l’image d’un oiseau qui vole, ou d’un animal qui court en un temps moindre de 1/500 de seconde”.




Die Bilder wurden auf eine rotierende Bildplatte belichtet, deren Einzelbilder durch Drehen als Bewegung wahrgenommen werden konnten.


Für Marey waren diese Aufnahmen aber noch nicht optimal, da er damit seine Zielvorstellung – die Darstellung des Zeit- und Raumaspektes einer Bewegung auf einer einzigen Bildplatte, nicht realisieren konnte. Er war zwar ortsunabhängig, aber ein unmittelbares Nebeneinander der Bildabfolge war mit diesen kleinen Bildern nicht möglich.

Zur Lösung dieses Problem kehrte Marey das Aufnahmeprinzip um: Nun war die Bildplatte ruhig und wurde durch einen beweglichen Verschluss belichtet. Auf diese Weise konnte der ganze Bewegungsablauf – der Bewegungsfluss – in einer Abbildung sichtbar gemacht werden. Dieses Verfahren nannte Marey “Chronophotographie” – die zeitliche Aufzeichnung von Bildern:

Da Marey’s Arbeiten immer umfangreicher wurden, wurde zu diesem Zwecke 1881 in Paris das “Physiologische Institut” gegründet, in welchem er seine Studien durchführte.



Die Kamera befand sich in einem speziellen Kamerawagen, der auf Schienen mobil war. Die Probanden oder Tiere mussten einen dunklen Hintergrund passieren um so kontrastreich photographiert werden zu können.

Auf diese Weise wurden die unterschiedlichsten menschlichen und tierischen Bewegungen dokumentiert und konnten so analysiert werden.

Die Bildsequenzen dieser Chronophotographien, die dabei entstanden sind, sind auch heute noch beeindruckend schön, lehrreich und höchst anschaulich. Die folgenden Bilder dienen der Illustration der Vielfältigkeit von Marey:








Geschichte der Kinematographie - Literatur


Weitere Informationen können dem Buch “Photographie und Wahrnehmung” von M. Schnelle-Schneyder entnommen werden, aus welchem viele der obigen Texte stammen,



















sowie der Monographie über Marey von M. Braun mit dem Titel “Picturing Time“.
















Eine umfassende Darstellung der “Ursprünge der wissenschaftlichen Kinematographie” kann dem folgenden Film des “Instituts für dem wissenschaftlichen Film – IWF” entnommen werden.




Harald Edgerton (1903 – 1990)


war in neuerer Zeit ein weiterer Pionier der Entwicklung kinematographischer Aufzeichnungsmethoden. Seine berühmten Bilder wurden durch die Anwendung eines Stroboskop-Blitzes herstellt. Damit konnten extrem schnelle Bewegungen, die für das Auge unsichtbar wären, sichtbar gemacht werden. Mit seiner Technik gelangen Edgerton die ersten High-Speed Aufnahmen.

Zu den bekanntesten Bildern gehören solche von aufschlagenden Milchtropfen oder




berstenden Gegenständen





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