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Geschichte der Posturographie

Aktualisiert: 10. Juni 2020

Die systematische Erforschung der menschlichen Körperhaltung im Stehen begann bereits im Jahre 1889, mit der Publikation zweier grundlegender Arbeiten, die im Folgenden kurz vorgestellt wurden.

Damals gab es weder Röntgenaufnahmen oder Filmaufnahmen, so dass nur mit dem Medium der Photographie oder mit dem blossen Auge gearbeitet werden konnte. Dennoch sind beide Arbeiten von grosser Genauigkeit.

1959 erschien eine weitere umfassende Untersuchung zum gleichen Thema, die nun aber das äussere Erscheinungsbild mit der Innenansicht mittels Röntgenaufnahmen verglich.


Die erste systematische Untersuchung, in welcher Vorstellungen einer optimalen Haltung des Körpers im Stehen untersucht wurden, stammt von W. Braune und O. Fischer aus dem Jahre 1889. Sie trägt den Titel “Über den Schwerpunkt des menschlichen Körpers mit Rücksicht auf die Ausrüstung des deutschen Infanteristen”.

Mit den Mitteln der Mechanik und der Geometrie hat man präzisse Messungen sowohl der Teilschwerpunkte der Körperteile als auch des Gesamtschwerpunktes des Körpers ermittelt. Diese Messungen wurden mit einer speziellen Methode an vier tiefgefrorenen menschlichen Leichen durchgeführt.

Das Resultat wurde zuerst an einem Skelettmodell grafisch dargestellt und dann auf einen lebenden Menschen übertragen, indem dieser entsprechend positioniert wurde.

Diese Körperhaltung im Stehen wurde von den Autoren als Normalstellung bezeichnet. Sie schreiben dazu:


“Es mag vorläufig dahin gestellt bleiben, ob diese Stellung auch eine bequeme ist. Dies zu bestimmen, lag gar nicht in unserem Plane; wir werden aber an einer anderen Stelle (pag. 633 u. 634) auf diese Frage zurückkommen. Wir hatten zunächst nur das eine Ziel im Auge, eine natürliche, für Messungen und Berechnungen geeignete Ausgangsstellung zu normieren. Wir wollen diese Stellung als Normalstellung bezeichen.”


Auf dem Bild sind die Projektionen der Gelenkmittelpunkte, der Schwerpunkt des Kopfes und die Projektion des Schwerpunktes des ganzen Körpers eingezeichnet. Die Schwerelinie aller Körperteile wurden in eine vertikale Ebene eingeordnet.


Zum Vergleich wurden “die bequeme Haltung” und “die militärische Haltung ohne Gepäck” dargestellt und die Schwerpunkts Veränderungen gegenüber der “Normalhaltung” ermittelt.

Bei beiden Haltungen kann man erkennen, dass sich der Gesamtschwerpunkt verlagert hat – einmal nach hinten und einmal nach vorne.






Dazu werden zuerst die Schwerpunkte der Ausrüstungsgegenstände bestimmt und danach werden die Schwerpunkts Lagen in unterschiedlichen Ausgangsstellungen bestimmt.


Der Frage nach der Schwerpunktslage in Bezug zur Unterstützungsfläche wird auch im zweiten Teil der Arbeit nachgegangen, in der untersucht wird, wie sich die Belastung eines Soldaten durch seine Ausrüstung auswirkt.


Dazu werden zuerst die Schwerpunkte der Ausrüstungsgegenstände bestimmt und danach werden die Schwerpunktslagen in unterschiedlichen Ausgangsstellungen bestimmt.

Der Frage nach der Schwerpunkts Lage in Bezug zur Unterstützungsfläche wird auch im zweiten Teil der Arbeit nachgegangen, in der untersucht wird, wie sich die

Dazu werden zuerst die Schwerpunkte der Ausrüstungsgegenstände bestimmt und danach werden die Schwerpunkts Lagen in unterschiedlichen Ausgangsstellungen bestimmt.

Zum Beispiel die “Stellung des Soldaten mit vollem Gepäck beim Feuern“.


Die hier vorgestellte Arbeit hat Pioniercharakter, weil es die erste Arbeit ist, die das Thema biomechanisch und auch ergonomisch anging und zu diesem Zwecke die Fotografie als Medium nutzte.


Staffel - 1889

Im gleichen Jahr wurde eine zweite Arbeit publiziert, die ebenfalls zu den Pionierarbeiten gezählt werden kann.


F. Staffel veröffentlichte 1889Die menschlichen Haltungstypen und Ihre Beziehungen zu den Rückgratverkrümmungen”.


Wie schon Braune und Fischer befasst sich Staffel mit dem Stehen, erkennt aber, dass es unterschiedliche Möglichkeiten der Haltungen im Stehen geben kann – verschiedene Haltungstypen.

Staffel gliederte die Körperhaltungen seiner Zeit in fünf Haltungstypen:



Hier können Sie die gesamte Arbeit von Staffel im Original lesen.


Haltungstypen des Menschen
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Leger - 1959


1959 hat W. Leger in seiner Monographie mit dem Titel “Die Form der Wirbelsäule mit ihrer Beziehung zum Becken und die Statik der aufrechten Haltung” eine Haltungstypologie vorgestellt, die er anhand von Ganzkörper-Röntgenaufnahmen erstellt hatte.

Die Untersuchungen wurden an 60 wirbelsäulengesunden jungen Menschen angefertigt.

Das Schöne an dieser Arbeit ist das, dass man das Modell vor der Aufnahme fotografiert hat und so den Vergleich des äusseren Haltungsbildes mit der Wirbelsäulenhaltung vergleichen kann (Der Vergleich stimmt nicht ganz, da zur Darstellung der Wirbelsäule die Arme vor dem Körper gehalten wurden. Dadurch verlagert sich der Oberkörperschwerpunkt leicht nach hinten).

Die folgenden Originalabbildungen stammen aus dem Buch und zeigen die 8 Haltungstypen.


Als Resultat seiner Untersuchung definierte er im Gegensatz zu Staffel 8 Wirbelsäulen Typen.



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