Dr. A. Brügger Methode

Die Brügger "Therapie" wird nach dem Schweizer Arzt Dr. Alois Brügger (1920 - 2001) benannt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Dr. Brügger studierte Medizin an den Universitäten in Fribourg (1942 - 1945) und Zürich (bis 1948), welchem ausgedehnte klinische Tätigkeiten im In- und Ausland folgten. Ab 1960 praktizierte er als Facharzt für Neurologie und Psychiatrie in Zürich - Seefeld. 

Neben der Praxistätigkeit betätigte sich Dr. Brügger bis zu seinem Tode als aussergewöhnlicher und unermüdlicher Forscher, der mit seinen Forschungen der Medizin wichtige und nachhaltige Impulse gab.

Die Erkenntnisse von Dr. Brügger sind für das Verständnis und die Interpretation vieler häufiger Beschwerden an Muskeln und Gelenken essentiell. Erst darauf aufbauend können therapeutische Anwendungen erfolgen. Aus diesem Grunde gibt es auch keine explizite Brügger Therapie, wie das in den 80-er und 90-er Jahren propagiert wurde. Die Erkenntnisse von Dr. Brügger dienen in erster Linie der Diagnostik.  

Heute verbinden die meisten Menschen, die etwas über Dr. Brügger gehört haben, mit dem Thema Körperhaltung. Dr. Brügger hat sich mit diesem Thema intensiv auseinandergesetzt und wichtige Zusammenhänge zwischen Schmerzen und Körperhaltung erarbeitet.

Das wird auch durch das Logo von Dr. Brügger, welches zwei sitzende Menschen in zwei Sitzhaltungen zeigt, ausgedrückt.

 

Für ein tieferes Verständnis dieser Zusammenhänge muss man jedoch den Werdegang und die Leitgedanken kennen. Ansonsten wäre die Gleichung Brügger = Haltung eine zu oberflächliche Simplifizierung, die der Arbeit dieses genialen Forschers nicht gerecht wird.  

Im Folgenden wird der publizistische Werdegang von Dr. Brügger vorgestellt. Es ist ein in sich kohärenter Weg, der zeigt, wie ein ursprünglich erkanntes biologisches Phänomen immer schärfer und differenzierter verstanden und umgesetzt werden konnte.

 

 

Literatur

Historisches

 

Im Jahre 1958 promovierte A. Brügger mit seiner Dissertation “Über die Tendomyose” zum Doktor der Medizin.

 

Diese befasste sich darin mit Fragen und Interpretationen zu Symptomen der als “Muskelrheumatismus” in Erscheinung tretenden Phänomene. Der Begriff “Tendomyose” wird an dieser Stelle neu eingeführt und gegen andere Begriffe abgegrenzt. Dr. Brügger interpretierte die Muskelschmerzen als “funktionell” und als nicht strukturell bedingt, d.h. dass die Schmerzen an die Funktionen der Muskulatur gebunden sind und sich weder anatomisch- noch humoral-pathologisch interpretieren liessen.

 

Als Abgrenzung zu den radikulären Symptomen benutzt Dr. Brügger in dieser Arbeit auch schon den Begriff "pseudoradikulär".

Bereits damals wies Dr. Brügger auf damit verbundene “Trigger Points” hin (siehe Trigger Punkt Therapie). Ein Konzept welches erst Jahrzehnte später (in den 80-er Jahren) in der Schweiz bekannt wurde. 1958 wurde die Arbeit in der “Deutschen Medizinischen Wochenschrift” veröffentlicht.

 

Der in dieser Arbeit von Dr. Brügger kreierte Begriff der Tendomyose, blieb zeitlebens der zentrale Begriff in seinem primär diagnostischen Konzept. In den Jahren 1960 und 1962 folgten zwei weitere Publikationen, in denen die Thematik vertieft wurde. In den Schriften erschienen in der Reihe Acta rheumatologica der Documenta Geigy als Nr. 18 und Nr. 19 mit den Titel: “Über vertebrale, radiculäre und pseudoradiculäre Syndrome: Teil I und II).

Damit wurde der zweite wichtige Begriff im Brügger’schen Konzept – das pseudoradiculäre Syndrom – etabliert und weiter ausgearbeitet. Dieser Begriff und die damit verbunden Symptome sind noch heute Bestandteil des klinischen Sprachgebrauchs. Leider wissen viele Mediziner heute nicht mehr, wem sie diesen Begriff zu verdanken haben.

In einer weiteren Monographie, welche im Jahre 1965 erschien, fand eine weitere Vertiefung statt. Das Büchlein mit dem Titel “Pseudoradiculäre Syndrome des Stammes” wurde zusammen mit Frau Dr. Ch. Rohnheimer – einer langjährigen Weggefährtin von Dr. Brügger – verfasst.

 

1971 erschien unter dem Titel “Das sternale Syndrom” eine Monographie, in welcher erstmals völlig neuartige Zusammenhänge zwischen Körperhaltung und Schmerzen beschrieben wurden und wichtige Aspekte der Bedeutung einer optimalen herausgearbeitet wurden. Im gleichen Buch wird von Brügger der Begriff “Nozizeptiver somatomotorischer Blockierungseffekt = nsB” eingeführt.

Als Krönung der bisherigen Arbeit von Dr. Brügger erschien 1976 das über 1000 – seitige Buch mit dem Titel “Die Erkrankungen des Bewegungsapparates und seines Nervensystems“, in welchem die vielfältigen Manifestationen des n.s.B. – des nozizeptiven somatomotorischen Blockierungseffektes vorgestellt werden. Das Buch ist ein Meisterwerk angewandten kybernetischen Denkens und ist hoch komplex. Es bietet noch heute interessante und noch immer unbekannte Einblicke in die Wechselwirkungen von Bewegung und Nervensystem. 

 

Im Jahre 1982 wurde an der Akazienstrasse 2 in Zürich das Forschungs- und Schulungszentrum (FSZ) Dr. Brügger gegründet. 

In dieser Zeit nannte Dr. Brügger sein Konzept die “Lehre der Funktionskrankheiten“. Zur Erforschung und Erweiterung des Konzeptes wurde 1985 der Internationale Arbeitskreis zur Erforschung der Funktionskrankheiten des Bewegungsapparates – I.A.F.K – gegründet.

In einem Kritischen Rückblick, welcher an einem Symposium im Jahre 1983 referiert wurde, schildert Dr. Brügger die Notwendigkeit dieses umfassenderen Begriffes.

 

Ab diesem Zeitpunkt versteht man unter Funktionskrankheiten “.. reflektorisch schmerzhafte Störungen von Funktionen des Bewegungsapparates …”  Um das stetig anwachsende Wissen einem breiten Publikum zu unterbreiten, wurde die Herausgabe einer Zeitschrift beschlossen. Diese erschien unter dem Namen “Funktionskrankheiten des Bewegungsapparates -Bewegungssystems” ab Mai 1986 und wurde 2004 eingestellt. 

Das Lebenswerk von Dr. A. Brügger wurde mit der Herausgabe des “Lehrbuches der funktionellen Störungen des Bewegungssystems” im Jahre 2000 vollendet.

 

Dieses Lehrbuch ist die Synthese der Lehre der Funktionskrankheiten und kann als Erweiterung der “Erkrankungen des Bewegungsapparates” gesehen werden, in welchem viele Gedanken mit einer anderen Sprache zeitgemäss formuliert werden. Mit dem Ableben von Dr. Alois Brügger im Jahre 2001 endete dieses intensive Forscherleben.